Als wir WhoIdentifies.me erstmals vorgestellt haben, stand eine einfache, aber bislang unbeantwortete Frage im Zentrum: Wer greift im entstehenden eIDAS-Ökosystem – also gewissermaßen einer europäischen ID-Austria - eigentlich auf welche Daten zu? Wir freuen uns mit der Veröffentlichung des Prototypen einer Antwort auf diese Frage deutlich näher zu kommen.

Der Hintergrund des Projekts ist unverändert aktuell. Mit der Weiterentwicklung von eIDAS und der Einführung der European Digital Identity Wallet (der europäischen digitalen Brieftasche) entsteht eine Infrastruktur, die weit über klassische Online-Authentifizierung hinausgeht. Digitale Identität wird damit zu einem zentralen Baustein des digitalen Alltags in Europa. Staatlich bestätigte Identitätsmerkmale wie Name, Alter oder nach aktuellem Stand auch biometrische Daten, können in unterschiedlichsten Kontexten verwendet werden - vom Behördenverfahren bis hin zu privaten Online-Diensten. Gerade weil diese Infrastruktur so breit eingesetzt werden soll, stellt sich umso dringlicher die Frage nach Transparenz. Während die technische und rechtliche Ausgestaltung intensiv diskutiert wird, bleibt oft unsichtbar, welche konkreten Datenflüsse tatsächlich im Alltag entstehen.

Genau hier setzt WhoIdentifies.Me an. Die Grundidee, wie in unserer Concept Note beschrieben, besteht darin, öffentlich verfügbare Informationen aus nationalen Registern und anderen Quellen zusammenzuführen und daraus ein verständliches Gesamtbild zu erzeugen. Mit unserem Prototypen machen wir diesen Ansatz erstmals erfahrbar. Er zeigt, wie ein bisher unübersichtliches System künftig in einer einzigen Oberfläche zusammengeführt wird. Dadurch wird klarer erkennbar, welche Unternehmen und staatlichen Stellen überhaupt zum eIDAS-Ökosystem gehören.

Besonders deutlich wird dabei, dass Transparenz nicht nur eine Frage des „Wer“, sondern auch des „Was“ ist. Entscheidend ist nicht allein, welche Organisationen digitale Identitätssysteme nutzen, sondern welche Daten sie in diesem Zusammenhang anfragen. Genau diese Perspektive eröffnet die Möglichkeit, Datenflüsse vergleichbar zu machen und über einzelne Anwendungsfälle hinaus zu denken. Erst dadurch gibt es eine Basis, auf der man Muster erkennen und Entwicklungen verfolgen kann.

Der Prototyp bleibt bewusst auf einer einfachen, grundlegenden Ebene und versucht nicht, schon alle möglichen Analysefunktionen abzubilden. Stattdessen zeigt er, dass die nötigen Daten grundsätzlich vorhanden sind und so aufbereitet werden können, dass sie sowohl für technische als auch für nicht-technische Nutzer verständlich sind. Da eIDAS als europäische Infrastruktur gedacht ist, liegt der Schwerpunkt außerdem darauf, über nationale Grenzen hinauszuschauen und ein gemeinsames, grenzüberschreitendes Gesamtbild zu schaffen.

Hier zeigt sich, wohin sich das Projekt weiterentwickeln kann. Unsere Vision geht über eine reine Darstellung hinaus: Ziel ist ein Werkzeug, das Veränderungen im System frühzeitig sichtbar macht. In einer Umgebung, in der sensible, staatlich bestätigte Daten in immer mehr Bereichen genutzt werden, wächst auch der Bedarf, diese Entwicklungen zu beobachten und kritisch einzuordnen. Transparenz ist dabei eine wichtige Grundlage: Für öffentliche Diskussionen und letztlich auch für wirksame Regulierung.

Gleichzeitig wird deutlich, dass für ein wirkliches Verständnis digitaler Identität mehr nötig ist als nur Gesetze und technische Spezifikationen. Es braucht Werkzeuge, die sichtbar machen, was tatsächlich passiert.

Vor diesem Hintergrund laden wir herzlich zu unserem Workshop ein. Dort stellen wir den aktuellen Stand des Prototyps vor und möchten ihn gemeinsam weiterentwickeln. Die Workshops richten sich an NGOs, Forschende sowie alle, die sich für die praktische Nutzung und die Auswirkungen der europäischen digitalen Identitätsinfrastruktur interessieren. Ziel ist es, Feedback zu sammeln und die Entwicklung des geplanten Piloten aktiv mitzugestalten. Dieser soll reale Daten aus den Mitgliedstaaten einbeziehen und bis Ende 2026 fertig sein.

Termine unserer Online-Workshops:

Dienstag 14. April, 13:00-14:30 CET
Montag 20. April, 17:30-19:00 CET

Die Teilnahme ist unkompliziert: Eine kurze Anmeldung an team@epicenter.works mit Angabe des gewünschten Termins genügt.

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