Der umtriebige OpenAI Boss und Serien Start-Up Gründer Sam Altmann hat viele Ideen - Worldcoin ist eine der schlechteren. Worldcoin will nichts weniger als eine globale digitale Identität schaffen – basierend auf biometrischen Daten, insbesondere auf dem einzigartigen Muster der menschlichen Iris.

Im Zeitalter von AI und Bots, sollen Mensch und Maschine endlich verlässlich unterscheidbar gemacht werden. Weltweit sollen sich Menschen ihre Iris mittels eines kugelförmigen, silbernen Gerätes, sogenannte „Orbs“, scannen lassen und erhalten im Gegenzug ein kleinen Betrag in der zufälligerweise begleitend gegründeten Kryptowährung Worldcoin.

Dieses fragwürdige Geschäftsmodell versucht Worldcoin weltweit hochzubringen. Auf world.org kommen New-age Slogans & Heilsversprechungen im serifenlosen Apple-Design daher und werden mit größtmöglicher Diversity an happy Statist:innen aus Stockmaterial hinterlegt - United Colours of Vertrauenswürdigkeit.

Wer eine Iris und einen Puls hat - ist Geschäftsgrundlage.

Ethische Standards scheinen für Worldcoin zweitrangig zu sein. Ein Irisscan der über 8 Milliarden Menschen ist das Ziel – Ob minderjährig, ahnungslos, oder mit geistigen Beeinträchtigungen. Wer eine Iris und einen Puls hat - ist Geschäftsgrundlage. Bezahlt wird der Scan in der selbstgebauten Währung, die kein Supermarkt oder Vermieter zwischen Bangkok und Kigali nimmt.

In Spanien ist es der Datenschutzbehörde (AEPD) bereits zu viel geworden. Im Frühjahr 2024 wurde eine einstweilige Verfügung gegen Worldcoin erlassen. Sie untersagte dem Unternehmen die weitere Verarbeitung biometrischer Daten, insbesondere von Minderjährigen. Auch in Deutschland, Kenia und Hongkong wurden die Aktivitäten von Worldcoin gestoppt oder eingeschränkt – teils nach massiver Kritik von Datenschutzorganisationen und Menschenrechtsgruppen.

In Herz von Favoriten kann man sich im gleich nach einem Besuch der exotischen Gastroszene ein neues Case fürs Samsung Galaxy gönnen und sich nebenbei die Iris scannen lassen. Die “Handyinsel Favoriten” wird auf world.org als Topspot für die Benutzung eines Orb und den Einstieg in die Gemeinschaft der Kryptowährungbesitzer:innen gelistet. Menschen werden dazu verleitet, ihre höchstpersönlichen biometrischen Merkmale, quasi ihr angeborenes Passwort gegen ein paar Token einzutauschen – häufig ohne zu verstehen, welche weitreichenden und unumkehrbaren Risiken sie damit eingehen.

Biometrische Daten sind nicht austauschbar. Ein Passwort kann man ändern, ein kompromittiertes Irismuster nicht.

Wir sehen darin einen gefährlichen Versuch, die sensibelsten Daten überhaupt – nämlich unveränderliche Körpermerkmale – zu kommerzialisieren und als Zugangsbedingung zu etablieren. Aus diesem Grund haben wir am 3. Oktober 2025 bei der österreichischen Datenschutzbehörde (DSB) eine „Anregung zur amtswegigen Prüfung“ von Worldcoin aka „World“ eingebracht. Wir regen an, dass die Behörde einstweilige Maßnahmen ergreift, um die Erhebung und Verarbeitung dieser Daten in Österreich sofort zu stoppen.Der Umgang mit biometrischen Daten, insbesondere in groß angelegten, kommerziellen Projekten ohne klare Zweckbindung, widerspricht dem Grundprinzip der Datenschutz-Grundverordnung: Verarbeitung nur bei strikter Notwendigkeit und informierter Einwilligung.

DSB muss unverzüglich handeln

Worldcoin sammelt und verarbeitet hochsensible biometrische Daten in einer Form, die weit über herkömmliche Datenverarbeitungen hinausgeht. Betroffen sind auch Jugendliche und Kinder, deren Einwilligung in solchen Kontexten grundsätzlich extrem kritisch zu bewerten ist.

Darüber hinaus sind grundlegende Rechte der Betroffenen – wie Information, Widerruf oder Löschung – in der Praxis kaum durchsetzbar. Sobald die biometrischen Merkmale in die Systeme von Worldcoin eingespielt sind, können Betroffene kaum kontrollieren, was mit ihren Daten geschieht oder ob sie tatsächlich gelöscht werden. Das rechtfertigt aus unserer Sicht ein sofortiges Einschreiten nach Art. 66 Abs. 1 DSGVO. Diese Bestimmung erlaubt es der Datenschutzbehörde, unter außergewöhnlichen Umständen sofortige, befristete Maßnahmen zu erlassen, um die Rechte und Freiheiten von Personen zu schützen.

Vertrauen entsteht nicht durch Zwang, sondern durch Wahlfreiheit

Worldcoin verkauft sein Projekt als Beitrag zu einer sicheren digitalen Zukunft. Doch echte digitale Teilhabe entsteht nicht durch invasive Identitätssysteme, sondern durch Freiheit und Kontrolle über die eigenen Daten. Wenn der Zugang zu künftigen Online-Diensten oder sozialen Leistungen an die Preisgabe biometrischer Merkmale geknüpft wäre, entstünde ein gefährlicher Präzedenzfall: Das eigene Auge als Eintrittsticket ins Internet.

Wie bei Gesundheitsdaten gilt auch hier: Wahlfreiheit schafft Vertrauen. Menschen müssen selbst entscheiden können, ob und welche Daten sie teilen – und dürfen keine Nachteile erleiden, wenn sie sich dagegen entscheiden.

Ein klarer Auftrag an die Datenschutzbehörde

Wir fordern daher die österreichische Datenschutzbehörde auf, den Schutz der Menschen in Österreich ernst zu nehmen und – wie bereits in Spanien und anderen Ländern – umgehend Maßnahmen zu setzen, die die Erhebung und Verarbeitung biometrischer Daten durch Worldcoin stoppen.

Die fortgesetzte Verarbeitung könnte irreparable Schäden verursachen und das Vertrauen in datenschutzkonforme Technologieentwicklung weiter untergraben. Europa hat mit der DSGVO ein starkes Fundament für den Schutz persönlicher Daten geschaffen – jetzt gilt es, dieses Fundament zu verteidigen.

Worldcoin ist ein Projekt, das unter dem Deckmantel technologischen Fortschritts die sensibelsten persönlichen Daten der Menschen gefährdet. Eine Gesellschaft, die Grundrechte ernst nimmt, darf nicht zulassen, dass biometrische Identität zum Handelsgut wird. Wir setzen uns dafür ein, dass die Datenschutzbehörde handelt – im Interesse aller, die nicht wollen, dass ihr Auge zum Schlüssel einer intransparenten digitalen Zukunft wird.

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