Das unser Jubiläumsjahr 2025: Transparenzbericht veröffentlicht
Seit vielen Jahren veröffentlichen wir im Sommer unseren Transparenzbericht und legen offen, was uns im vergangenen Jahr beschäftigt hat, inhaltlich, organisatorisch und finanziell. Heuer ist dieser Rückblick ein besonderer: 2025 feierte epicenter.works sein 15-jähriges Bestehen.
Am 6. Februar 2010 wurde unser Verein (damals noch als AKVorrat) im Zuge der Studierendenproteste #unibrennt gegründet. Diesen Geburtstag konnten wir, dank der finanziellen Unterstützung der Stadt Wien/Kultur im Juni, gemeinsam mit vielen Wegbegleiter:innen und Freund:innen, im Wiener Ankersaal feiern.
Unsere Arbeit und Erfolge:
Die erste Großbaustelle zu Jahresbeginn war die Regierungsbildung. Nach 155 Tagen Koalitionsverhandlungen analysierten wir das Regierungsprogramm der neuen Dreier-Koalition mit Fokus auf netzpolitischen Verhaben.
Wie gewohnt begleiteten wir als „Public Watchdog“ jeden Regierungsschritt sehr kritisch und forderten immer wieder lautstark politische Verantwortung ein.
Bundestrojaner: nun wir warten auf das Urteil vom VfGH
Das Jahr 2025 brachte den leider bereits fünften Anlauf für den Bundestrojaner. Trotz eines vernichtenden Begutachtungsergebnisses – 96 % der Stellungnahmen waren negativ – beschloss die Regierung am 9. Juli das Gesetz. Wir haben den Druck weiter hochgehalten und im Jänner 2026 brachte die Opposition mit unserer Hilfe die Drittelbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) ein. Im Juni 2026 gab es eine mündliche Verhandlung und aktuell warten wir gespannt auf die Entscheidung des Höchstgerichts.
Innenstadtüberwachung
Die Politik versuchte 2025 erneut, eine Innenstadtüberwachung mit Echtzeit-Zugriff für die Polizei durchzusetzen. Da dies unsere Privatsphäre und die Demonstrationsfreiheit gefährdet, sind wir gemeinsam mit vielen Menschen auf die Straße gegangen, um lautstark zu protestieren. Obwohl noch viele Fragen offen sind, konnten wir mit massivem Druck doch dem Gesetzesvorhaben einige Giftzähne ziehen.
Netzbremse: Widerstand gegen künstliche Engpässe
Unsere Kampagne Netzbremse war eine der größten des Jahres. Gemeinsam mit einem starken Bündnis haben wir eine über 200-seitige Beschwerde bei der Bundesnetzagentur gegen die Deutsche Telekom eingereicht. Der Konzern nutzt seine Marktmacht aus, schafft künstliche Engpässe und kassiert doppelt – von Inhaltsanbietern und Endkund:innen. Wir werden keine Ruhe geben, bis das Internet wieder fair für alle ist.
Ein neues Grundrecht: Informationsfreiheit ist da
Ein historischer Meilenstein wurde am 1. September 2025 erreicht: Das Amtsgeheimnis ist Geschichte. Nach jahrelangem Kampf ist das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) offiziell in Kraft getreten. Wir haben bereits die ersten Anfragen gestellt und ermutigen alle Bürger:innen, ihr neues Grundrecht aktiv zu nutzen.
Internationale Fronten: eIDAS & UN-Cybercrime
Auf europäischer Ebene arbeiteten wir am Frühwarnsystem whoidentifies.me, um sichtbar zu machen, wer welche staatlich verifizierten Daten im neuen EU-Wallet-Ökosystem abfragt. Weniger erfreulich verlief das Jahr auf UN-Ebene: Trotz unserer intensiven jahrelangen Lobbyarbeit in New York und Wien wurde die menschenrechtsfeindliche UN-Cybercrime-Convention Ende Oktober von über 70 Staaten unterzeichnet. Wir werden die nationalen Umsetzungen nun umso kritischer begleiten.
epicenter.academy: Bildung als digitale Selbstverteidigung
2025 war auch ein Highlight für unsere epicenter.academy. Im Jubiläumsjahr war die epicenter.academy so aktiv wie nie zuvor: Mit insgesamt 187 Workshops konnte das Team über 3.500 Personen erreichen. Neben der Workshop-Arbeit in Schulen, wo Jugendliche einen selbstbestimmten Umgang mit ihren Daten erlernen, unterstützen wir mit einem völlig neuen Konzept Unternehmen und Organisationen dabei, die Anforderungen des AI-Acts umzusetzen und die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um KI & Recht zu meistern. Besonders stolz sind die Kolleg:innen auch auf das E-Learning zum digitalen Gewaltschutz, das sie gemeinsam mit der AK Niederösterreich und den niederösterreichischen Frauenhäusern entwickelt haben.
Das Finanzielle
Dank eures Vertrauens konnten wir unser Jubiläumsjahr finanziell stabil bestreiten. Dafür möchten wir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an all unsere Unterstützer:innen aussprechen.
Eure Spenden und Fördermitgliedschaften bilden mit 44,90 % der Gesamteinnahmen weiterhin das unverzichtbare Rückgrat unserer Unabhängigkeit. Wir konnten die Lücke nach dem Rückzug einer großen Stiftung 2024 durch neue Partner- und Projektförderungen füllen (insgesamt 51,09 % der Mittel). Unsere Personalressourcen fließen zu 71,65 % direkt in die inhaltliche, statutarische Arbeit.
Das Jahr 2025 konnte der Verein mit einem kleinen Überschuss für die Rücklagen (+1,5%) abschließen. Im Sinne der Transparenz veröffentlichen wir auch weiterhin monatlich unseren Cashflow-Bericht auf der Website.
Die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Unsere Expertise war 2025 gefragter denn je: Wir erreichten 72,67 Millionen Menschen über alle Medienkanäle und gaben dafür 69 Interviews.
Erwähnenswert ist, dass wir 18 Auftritte in ORF Nachrichtensendungen hatten.
Enorm intensiv für das Team waren die vielen Gespräche mit Verbündeten und Stakeholdern sowie die öffentlichen Auftritte. Die insgesamt 442 Public-Affairs-Termine und 259 Auftritte national und international zeigen, wie unermüdlich das ganze Team für die Wahrung von digitalen Grundrechten arbeitet.
Auch 2025 erklärten wir wieder komplexe netzpolitische Themen in 27 Blogposts, brachten 13 Stellungnahmen ein und schrieben 7 Policy Papers. Um im politischen Diskurs laut zu bleiben, suchten wir uns oft starke Verbündete und meldeten uns mit 12 offenen Briefen zu Wort.
Wie ihr anhand der Zahlen erkennen könnt, bemühen wir uns sehr, die uns zur Verfügung stehenden Mittel so effizient und zielgerichtet wie möglich einzusetzen, weshalb wir auf Werbung verzichten und das Geld lieber in inhaltliche Arbeit investieren.
Du willst uns auch unterstützen? Hier erfährst du alles zu unseren Fördermitgliedschaften. Für dieses Jahr fehlen uns noch 251 Fördermitglieder!
Der gesamte Transparenzbericht 2025 steht auf Deutsch und Englisch zum Download bereit.
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